• Andrea Hohmann

Frage der Woche 46

Wie gehe ich mit dem Tod um?

Gehe ich verantwortungsvoll mit dem Leben um?

Alles muss sterben, damit neues Leben entstehen kann.

Wie wäre es, den Tod nicht nur als Ende vom Leben, sondern als Helfer zum Leben zu betrachten? Denn sind wir nicht alle Sterbende, und leben nur, weil der Tod dazu beiträgt?

Täglich sterben Zellen in unserm Körper, machen Platz für neue, gesunde Zellen.

Täglich sterben Pflanzen und Tiere, damit wir unserem Körper Nahrung geben können, um zu leben.

Lebensabschnitte, wie Kindheit, Pubertät, Verliebtsein, Ehen, Freundschaften etc. gehen vorbei – sterben.

Pläne, Wünsche und Ideen lassen wir sterben, weil sie nicht passen oder es bessere gibt.

Kleidung, Autos und materielle Dinge werden einfach verschrottet.

Unsere Ahnen sind gestorben, haben Platz gemacht für die Jungen.

Unsere jetzige Lebenssituation haben wir im Grunde dem Tod zu verdanken und dafür behandeln wir ihn ausgesprochen schlecht.

Wir wissen, dass wir irgendwann diesen Körper verlassen, dass unsere Lieben gehen werden und die gemeinsamen Zeiten nicht unendlich sind. Jederzeit kann alles vorbei sein. Vielleicht macht das Willkürliche, das Unerwartete den Tod so unbeliebt. Dazu kommen die Schmerzen, den der Verlust auslöst.

Warum nutzen wir das nicht um intensiv zu leben?

In unserer Gesellschaft hat der Tod keinen Platz mehr, wird hinter einem Schleier der Diskretion verborgen, so wie die Sexualität vor vielen Jahren. Aufbahren, Leichenschmaus, Beisetzungen mit Musik und Blumen werden immer weniger.

Was würde sich ändern, wenn wir uns mit der Sterblichkeit versöhnen?

Vielleicht endlich leben?

Vielleicht unseren Beitrag geben, damit diese Welt ein schöner Ort bleibt?

Vielleicht den Sinn unseres Lebens leben?

Beziehungen tief und intensiv leben?

So schmerzhaft der auch Tod ist, wir dürfen und wir müssen ihn wieder in unser Leben integrieren, uns mit ihm versöhnen. Das hört sich schwer an, gerade wenn wir einen schweren Verlust erlebt haben, wenn Krankheit unser Leben überschattet, wenn wir über Krieg und Hungersnöte lesen und hören.

Doch eins ist sicher - er kommt zu jedem von uns, der Tod ist gerecht.

Und das er kommt ist auch gut, denn ohne den Tod gäbe es keinen Halt im Leben, keine Erben, keine Ahnen, keine Tradition, nur schiere, endlose Gegenwart.

Ist das lebenswert?

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Andrea Hohmann Gesundheitspraxis

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