• Andrea Hohmann

Frage zu Woche 17

Ja zu mir…

…Ich nehme an, wer ich bin…

„Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“ – Oscar Wilde

Wie hört sich das im ersten Moment für Sie an? Was fühlen Sie dabei? Was geht in Ihnen vor?

Taucht die Frage auf: „Eine Romanze mit mir selbst?“ - „Mit mir?“  Vielleicht sind Sie verwundert oder werden nachdenklich, denn eine „Liebe“ und „Romanze“ versucht man gut zu behandeln.

Und wie gehen Sie mit sich um? Wie behandeln Sie sich?

Ca. 200-mal am Tag denken wir negativ über uns – kritisieren uns. Aus der Hirnforschung wissen wir: Je öfter wir einen Gedanken haben, desto stärker wird die Verbindung der Zellen, die für diesen Gedankengang benötigt werden.

Ein Zitat von Albert Einstein beschreibt die Wirkung in kurzen Sätzen:

Wenn Sie so denken, wie Sie immer gedacht haben,

    werden Sie so handeln, wie Sie immer gehandelt haben.

    Wenn Sie so handeln, wie Sie immer gehandelt haben,

    werden Sie das bewirken, was Sie immer bewirkt haben.

Wir alle sind mit dem Wunsch geboren, so angenommen und geliebt zu werden, wie wir sind. Doch durch Erziehung, Kultur und Umwelt erhalten wir immer wieder Botschaften, die uns zu verstehen geben, nicht ausreichend zu sein. Mit der Zeit entwickelt sich immer mehr eine Unzufriedenheit und der kritische Blick auf uns selbst. Vor allem, wenn etwas in unserem Leben schief gelaufen ist.

Menschen, die mit sich unzufrieden sind, die ständig versuchen ihre Macken und Fehler zu verstecken, suchen im Außen nach Erfüllung. Wünsche wie, bedingungslose Liebe, respektvoller Umgang oder Fürsorge an die äußere Welt, sind im Grunde Wünsche an uns selbst. Wir erwarten, dass die anderen sich so verhalten, dass es uns gut geht. Doch niemand kann uns das geben, was wir uns nicht selbst geben – Liebe ohne Wenn und Aber.

Jeder von uns hat seine Stärken und Schwächen, hadert mit weniger schönen Seiten. Machen Sie Inventur. Schreiben Sie Ihre „Fehler“ und „Macken“ auf. Und anschließend machen Sie sich Gedanken drüber, warum genau dieser „Fehler“ oder diese „Macke“ ihnen mal Gutes getan hat.

Selbstakzeptanz heilt alte Verletzungen.

Zum Beispiel könnte die Liste wie folgt aussehen:

1. "Ich habe keinen perfekten, durchtrainierten Körper" – "Doch Ich habe Kinder bekommen und meine Bedürfnisse ganz hintenangestellt, weil ich für sie da sein wollte. Mir war es wichtiger präsent zu sein, als Sport zu machen."

2. "Ich bin so genau und pingelig, kann nicht wirklich entspannt sein." – "Meine Eltern haben von mir erwartet, dass ich eine erstklassige Schülerin bin. Anerkennung habe ich nur bekommen, wenn ich perfekt war."

3. ….Ihnen fällt bestimmt etwas dazu ein ;)

Viele Verhaltensweisen und Eigenarten haben wir nicht zufällig entwickelt, sondern sie sind Reaktionen auf Erlebtes. Irgendwann einmal haben uns diese Strategien gute Dienste geleistet. Vielleicht hat uns der Perfektionismus Anerkennung und Liebe eingebracht. Indem wir verstehen, welchen Nutzen uns eine unerwünschte Verhaltensweise gebracht hat, bzw. immer noch bringt, können wir ihren Wert erkennen und sie annehmen. Und genau dadurch wird das möglich, was wir so sehnsüchtig anstreben. Wir können beginnen es zu ändern, weil wir erkennen, dass sie in manchen Situationen unangemessen ist.

Wir lernen „Ja“ zu sagen zu dem, was, wer und wie wir sind. Wir lernen, uns anzunehmen mit all dem, was uns manchmal das Leben schwer macht. Wir lernen unsere wirklichen Bedürfnisse kennen.

Der Psychologe Carl Rogers hat einmal gesagt: „Das Paradoxe des Lebens ist: erst, wenn ich mich akzeptiere so wie ich bin, kann ich mich ändern.“

Ein „Ja“ zu uns bedeutet Freiheit.

Das "Ja" zu dem was ist, bringt unendlich viel Erleichterung. Es gibt uns die Freiheit der Wahl zurück. Oft höre ich den Satz: „Wenn ich mich annehme wie ich bin, höre ich doch auf mich weiter zu entwickeln.“

Ein "Ja" zu uns macht uns nicht zu Egoisten oder zu bequemen Menschen ohne Ziele und Weiterentwicklung, sondern zu selbstbewussten Menschen, die Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Es macht aus uns Menschen, die ihren Weg gehen, ihre Bedürfnisse und Grenzen kennen und damit eine Bereicherung für alle sind. Wir erkennen, wer wir wirklich sind und dass alles, was wir benötigen, in uns ist. Selbstakzeptanz verhilft uns zu einer Wahl. Unsere Verhaltensweisen sind nicht das Problem, sondern der Zwang sich so verhalten zu müssen. Sobald Sie sich mit Ihren „Macken“ und „Fehlern“ angenommen haben und verstanden haben, warum Sie diese Verhaltensmuster haben, können Sie wählen: „Welche Verhaltensmuster sind wann und wo nützlich?“ "Wann sind sie kontraproduktiv?“ „Brauche ich den Wettkampf wirklich?“ „Muss ich mich wirklich Beweisen“? „Will ich so sein, wie die Umwelt sich Frauen oder Männer wünscht?“

Ein "Ja" zu sich fördert die Gesundheit.

In vielen Studien ist herausgekommen, dass Selbstliebe eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden ist. Indem wir aufhören irgendwelchen Standards von anderen nachzuhecheln, entspannen wir uns. Der Druck lässt nach. Das wiederum wirkt sich auf die körperliche Gesundheit aus. Schlafstörungen, Magenprobleme, häufige Kopf- und Rückenschmerzen sind ein deutliches Signal dafür, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. „Was ist wieder einmal wichtiger?“

Selbstliebe zeigt sich, indem wir in uns hineinhorchen und wahrnehmen, was unser Körper uns zu sagen hat. Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Gesundheit.

Selbstliebe ist, wenn wir uns so liebevoll um uns selbst kümmern, wie wir das für einen geliebten Menschen auch tun würden. Wir schauen uns die schmerzhaften Gefühle mit Liebe und Freundlichkeit an, um dann mit Verständnis zu reagieren.

Wir schließen Frieden mit unseren wunden Punkten und treffen die Wahl, uns mit anderen Augen zu betrachten - LIEBEVOLL

Judith Menne und Andrea Hohmann

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